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Dänemark / Persönliches

Auf der Suche nach meinem alten Ferienhaus in Westjütland

Letzte Woche war ich im Urlaub an der Westküste. Für viele von euch mag das nichts Besonderes sein, da ihr jedes Jahr euren Urlaub an der Westküste Dänemarks verbringt. Doch für mich ist mein letzter Urlaub dort schon etwas länger her – genau genommen 14 Jahre.

Zwischen Kopenhagen und der Westküste liegen Welten

Als Kind habe ich zwei Sommer an der dänischen Westküste verbringen dürfen – zwei unvergessliche Sommer, die wahrscheinlich dazu beigetragen haben, dass ich jetzt in Dänemark lebe. Allerdings auf der anderen Seite, nämlich in Kopenhagen im Osten Dänemarks. In der Großstadt an der Ostsee. Weit weg von den riesigen Dünen und langen, weißen Sandstränden, die es an der Westküste so zahlreich gibt.

Versteh mich nicht falsch, ich liebe es in Kopenhagen zu leben. Ich finde auch die Strände hier an der Ostsee schön und mache gerne Ausflüge auf Seeland. Aber in diesem Herbst hatte ich das Bedürfnis mal etwas weiter weg zu fahren, und mir die Gegend anzuschauen, in der ich in meiner Kindheit die Sommer verbracht habe.

Ich wollte natürlich in den Ort, wo wir auch damals im Ferienhaus untergekommen sind. Doch da haben mir meine Eltern schön einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie hatten sich nämlich weder den Namen des Ortes gemerkt noch die genaue Adresse oder wo sie gebucht haben. Der einzige Anhaltspunkt war Hvide Sande, da meine Mama sich an die Einkäufe im Aldi in Hvide Sande erinnern konnte.

Also habe ich mich in ein Ferienhaus dort in einem kleinen Ort in der Nähe eingebucht, und mir als Ziel gesetzt, unser Sommerhaus von damals ausfündig zu machen. Dabei habe ich irgendwie unterschätzt, wie viele Ferienhäuser es mittlerweile an der Westküste gibt. Irgendwie gab es damals noch nicht so viele…

Aber so schnell gebe ich nicht auf. Die ersten paar Tage habe ich erstmal lange Strandspaziergänge gemacht, um den Kopf freizukriegen und die gute Luft dort drüben zu genießen. Doch da ich nur eine Woche Urlaub hatte, musste ich so langsam anfangen noch mehr über die Gegend des Ferienhauses herauszufinden.

Und los ging die Schnitzeljagd nach dem Ferienhaus

Und wer könnte sich besser an die damaligen Urlaube erinnern, als meine Mama? Richtig, niemand. Also habe ich sie kurzerhand angerufen, und versucht jegliche Informationen aus ihr herauszuquetschen. Wo waren wir einkaufen, und wie lange sind wir dahingefahren? Was gab es in dem Ort wo wir untergebracht waren? Wie weit war es bis zum Strand? Welche Farbe hatte das Ferienhaus? Wie viele Schlafplätze gab es? Wie groß war das Grundstück?

Diese Fragen und noch viele mehr stellte ich meiner Mama, die mir sogar den größten Teil ganz gut beantworten konnte. Sogar den Nachnamen des Vermieters kannte sie noch, aber bei dem hat die Google Suche leider auch nichts ergeben. Es gibt nun mal viele Personen in Dänemark, die „Jørgensen“ mit Nachnamen heißen. Durch das Telefonat hatte ich also weitere Anhaltspunkte gesammelt, und hab mich abends hingesetzt und alle Ferienhausorte in der Nähe von Hvide Sande bei Google Maps gründlich untersucht. Gab es dort den kleinen Kaufmannsladen, wo wir einkaufen waren und daneben einen Spielplatz?

Klar, in 14 Jahren kann sich sehr viel ändern. Aber ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Nach langer Suche fand ich schließlich den Ort „Bjerregård”, der auf die Beschreibung von meiner Mama passte. Da meine Eltern nicht so technisch versiert sind, habe ich kurzerhand ein paar Screenshots von dem Ort in Google Maps gemacht und ihnen bei WhatsApp geschickt, mit der Frage: „Sagt euch der Ort Bjerregård etwas?“

Von beiden kam die Antwort: „Ja, auf jeden Fall.“ Bingo! Die Hoffnung war wieder da. Also habe ich bei Google nach Ferienhäusern in Bjerregård gesucht. Und ziemlich viele gefunden. Leider habe ich selbst nur ein verschwommenes Bild vor Augen, wie unser Ferienhaus damals aussah. Also schrieb ich in unsere Familiengruppe: „Welche Farbe hatte unser Ferienhaus?

Wie unterschiedlich Erinnerungen sein können

Mein Bruder antwortete als erster: „Ganz sicher rot!“. Also habe ich gezielt nach roten Ferienhäusern geschaut. Bis meine Mama dann in die Gruppe schrieb: „Nein, rot war es nicht. Es war grün.“ Na super. Was soll ich denn mit diesen Fehlinformationen anfangen? Also habe ich nach grünen Häusern geschaut, viele gab es nicht. Aber es war keins dabei, dass unserem Sommerhaus entsprach. So langsam wollte ich die Suche aufgeben. Bis mir die zündende Idee kam: Vielleicht kann meine Mama sich an den Straßennamen erinnern, wenn sie die Straßennamen vor sich sieht.

Also habe ich fix ein paar Screenshots gemacht und ihr geschickt. Und Treffer! Sie meint, sich an zwei Namen erinnern zu können: „Julianevej und Bjerregårdsvej“. Perfekt! Damit konnte ich meine Suche weiter einschränken. Aber als ich die Ferienhäuser in den beiden Straßen durchgegangen bin, hat es immer noch nicht richtig „Klick“ gemacht. Ich dachte ich würde es schon erkennen, wenn es dabei wäre. Also wählte ich die letzte Option.

Würde ich das Ferienhaus vor Ort wieder erkennen?

Am nächsten Morgen fuhr ich einfach dorthin. Nach Bjerregård. Der Ort war ungefähr 20 Minuten mit dem Auto von meiner Unterkunft entfernt und damit schnell erreicht. Bei der „Einfahrt“ in den Ort kamen mir schon die ersten Erinnerungen hoch. Der Spielplatz war noch da, und der Kaufmannsladen auch. Und dann kamen die vielen kleinen Ferienhäuser. Unzählige. Wie sollte ich denn da unser Haus wiedererkennen?

Als erstes bin ich langsam den „Julianevej“ langgefahren. Unser Haus lag damals nicht direkt am Wegrand, sondern etwas weiter hinten auf einem kleinen Hügel. Das war aber auch der einzige Anhaltspunkt, den ich hatte. Auf die Farbe konnte ich mich ja nicht verlassen. Nachdem ich fast die ganze Straße abgefahren war, und es nicht da war, hatte ich die Hoffnung schon so gut wie aufgegeben. Aber dann kurz vorm Strandeingang, lag auf der rechten Seite ein Grundstück wo das Häuschen auf einem kleinen Hügel weiter hinten lag, also weiter entfernt von der Straße. Volltreffer.

Als ich das Haus gesehen hab, hatte ich schon im Gefühl, dass es das sein muss. Aber ich musste sichergehen. Also habe ich angehalten und bin zum Briefkasten. Dort war ein Novasol Aufkleber und ein Namensschild, auf dem der Name schon fast nicht mehr zu erkennen war. Fast. Denn bei genauem Hinschauen konnte ich den Namen „Jørgensen“ entziffern. Bingo! Das muss mein Sommerhaus sein. Sofort schickte ich ein Bild von dem Klingelschild und dem Haus an meine Familie, die prompt zurückschrieben „Das ist es!“.

Lange Suche mit einem Happy End

Ich hatte tatsächlich unser Ferienhaus gefunden. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Und es stand kein Auto in der Einfahrt, das Haus schien unbewohnt. Also habe ich mich ein bisschen auf dem Grundstück umgesehen. Unsere alte Dichterbank entdeckt. Die Terrasse wo wir immer gespielt haben. Den Sandkasten. Das schräge Dach, wo wir von dem Hügel aus immer raufgeklettert sind. So viele schöne Kindheitserinnerungen. Ein paar Bilder und Videos habe ich natürlich auch sofort an meine Eltern geschickt. Die waren auch ganz aus dem Häuschen – wortwörtlich – und wollten direkt unseren nächsten Sommerurlaub dort buchen.

Damit war meine Mission für diesen Urlaub geglückt und ich war super happy. Aber nicht nur das hat den Urlaub perfekt gemacht, denn gleichzeitig habe ich auch endlich wieder die Westküste erlebt und lieben gelernt. Obwohl sich in den ganzen Jahren so viel verändert hat, fühlt es sich trotzdem noch so an wie damals. Der ständige Wind, die hohen Wellen, die Eisbuden an jeder Ecke. Diesmal werde ich nicht erst in 14 Jahren wiederkommen, sondern so schnell wie möglich.

Hast du eine ähnliche Suche hinter dir? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen, ich finde solche Geschichten super spannend! Falls du auch mal in Bjerregård Urlaub machen möchtest, findest du hier ein schönes Ferienhaus. Und falls es dich doch mal nach Seeland treibt und nicht an die Westküste, findest du Inspiration hier.

About Author

Hej! Ich bin Johanna, 24 Jahre alt, gebürtige Berlinerin und vor 4 Jahren nach Dänemark ausgewandert. Ich bin großer Fan von der dänischen Sprache, gutem Essen, Reisen, Gin & Tonic, Frederiksberg, dem Meer, Hygge und natürlich der Farbe Pink. All diese Dinge möchte ich auf meinem Blog mit euch teilen und damit ein bisschen Hygge nach Deutschland bringen.

4 Comments

  • Chris
    8. November 2020 at 12:06

    Hej Johanna, was für eine schöne Geschichte. Ich habe richtig mitgefiebert und dachte beim Lesen: ja wie will man denn bei so vielen Häusern das Richtige finden? Geht doch gar nicht. Und dann hast du es doch geschafft. Klasse! In Bjerregård und sogar im Julianevej war ich mit meinen Eltern früher unzählige Male im Urlaub. Von daher kann ich völlig nachvollziehen, wie es ist, die Kindheitserinnerungen wiederzuentdecken. Wunderschön. Für uns „Westküstenkinder“ wird dieser Fleck Erde niemals seinen Zauber verlieren. Das ist das schöne. Kærlig hilsen, Chris

    Reply
    • Johanna
      8. November 2020 at 22:53

      Hej Chris, tusind tak für dein liebes Feedback! Das freut mich mega! Und wie lustig, dass du im selben Ort, und sogar in derselben Straße mit deinen Eltern früher Urlaub gemacht hast. Vielleicht waren wir ja unbewusst Nachbarn? 🙂 Ja, ich könnte es nicht besser ausdrücken. Diese Erinnerungen bleiben einfach für immer. Kærlig hilsen, Johanna 🙂

      Reply
  • Angela Sengupta
    16. November 2020 at 20:43

    Hey Johanna, es hat mir großen Spaß gemacht, deine Geschichte zu lesen. Ich liebe es auch „alte“ Ferienhäuser noch einmal aufzusuchen, weil es immer mit schönen Erinnerungen verknüpft ist. Wobei es bei mir nicht Erinnerungen an Kindertage sind, sondern ich eher die Elternrolle habe, meine Kinder sind in deinem Alter und wir waren das erste Mal mit Ihnen in Dänemark als sie noch Babys waren und ab dann fast jedes Jahr und sehr oft an der Westküste. Nur ein einziges Ferienhaus kann ich schon seid Jahren nicht mehr wiederfinden. Du siehst, es gibt noch mehr Verrückte!
    Nur bei einer Sache in deinem Artikel muss ich Kritik anbringen: bitte mache keine Werbung für Novasol. Novasol ist einer der wenigen Anbieter, die jetzt bei der zweiten Grenzschließung ihre Kunden auf ihren Kosten sitzen lassen. Andere Anbieter bieten Umbuchungen oder Gutscheine an, manche erstatten sogar das Geld. Novasol stellt sich auf den Standpunkt, „Grenzschließung ist dein eigenes Problem.“ Novasol verschanzt sich hinter seinen AGBs, wobei nicht die AGBs gelten, die bei deiner Buchung aktuell waren, sondern die, die bei Reiseantritt auf der Internetseite veröffentlicht sind. Novasol hat nach der ersten Grenzschließung im März seine AGBs zu Ungunsten der Kunden bei Pandemie und Grenzschließung in allgemeine Stornobedingungen umgewandelt und behalten somit 80-100 % der Kosten, selbst Kosten für Endreinigung, obwohl man gar nicht anreisen konnte. Ich finde das sehr unseriös! Novasol schadet durch diese Vorgehensweise der gesamten Tourismusbranche in Dänemark!
    Wie gut eine Ferienhausagentur ist, zeigt sich erst, wenn Probleme/unvorhersehbare Ereignisse auftreten. So einen Marktriesen wie Novasol interessiert nur der Profit. Fazit: lieber die kleineren lokalen Anbieter unterstützen!!!
    Liebe Grüße Angela

    Reply
    • Johanna
      18. November 2020 at 11:51

      Hej Angela, danke für deinen lieben & ausführlichen Kommentar! Wie schön, dass du auch zu den „Verrückten“ zählst, die alte Ferienhäuser aufsuchen. 🙂
      Das mit Novasol wusste ich ehrlich gesagt nicht, hab selbst noch nie bei denen gebucht und nur gesehen, dass sie jetzt auch „mein“ altes Ferienhaus vermieten. Deswegen habe ich den Link dazu angegeben. Ich habe jetzt mal recherchiert und gesehen, dass auch andere von den Problemen berichten von denen du hier erzählst. Danke für die konstruktive Kritik, ich werde den Link jetzt entfernen 🙂
      Liebe Grüße Johanna

      Reply

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